Bosch Duraterm Schnellglühanlage oder das Ende der Rudolf Diesel Gedenkminute

Die Verpackung Wer kennt das nicht? Das ewig andauernde Vorglühen der Oldtimer geht einem irgendwann auf die Nerven. Da die Ungeduld manches mal zu groß ist, glüht man nicht lange genug vor und der erste Startversuch ist somit zum Scheitern verurteilt. Gerade als Antreiber muss man aber Wert auf den blitzschnellen Einsatzes von Maschine und Mensch legen. Ergo bietet sich der Einbau der von der Firma Bosch angebotenen Duraterm Schnellglühanlage an. Die Werbung und die Einbauanleitung versprechen Sensationelles. Nach vier Sekunden soll das Fahrzeug startbereit sein und in den ersten Minuten zudem noch mit minimaler Rußentwicklung glänzen, da die Kerzen noch eine gewisse Zeit nachglühen. Die Schnellglühanlage schont damit Batterie, Anlasser und Motor.


In der Praxis sieht es so aus: Die alten Glühkerzen werden zunächst durch die Neuen ersetzt und gemäß beiliegendem Schaltplan neu verkabelt. Der ehemalige Masseschluss der letzten Kerze wird dabei abgeschraubt. Ebenso wird der Vorglühwiderstand entfernt, da er für die Schnellglüh-Einrichtung nicht mehr benötigt wird. Wenn man schon dabei ist, kann man getrost auch gleich den Glühüberwacher herausschrauben und den dort eingebauten Glühdraht durch die mitgelieferte LED ersetzen. Da gerade der Einbau der LED eine üble Fummelei ist, haben wir das Ding der Einfachheit halber angelötet. Da auch der Starterschalter von der Verkabelung betroffen ist, sollte der auch gleich heraus geschraubt werden, was sich aber als durchaus verhängnisvoll erweisen kann, wie wir noch sehen werden.

Provisorischer Aufbau der Anlage Derart vorbereitet kann die Montage der neuen Anlage angegangen werden. Die Verkabelung ist anhand des beiliegenden Schaltplanes recht einfach durchzuführen. Allerdings habe ich eine Modifikation gemacht, um mir lange Wege zu sparen. Beim Unimog ist es einfacher, das an den Pluspol der Batterie zu montierende Kabel an die Klemme 15 des Anlassers zu schrauben, das ist Klemme 8 am Glühzeitsteuergerät (GZS). Das spart einiges an Kabel und noch mehr Zeit, da man sich hier nicht durch die Karosserie fummeln muss. Der andere dicke Anschluss an Klemme 9 des GZS geht natürlich an die neuen Glühkerzen.


Was bleibt sind vier dünne Drähtchen. Eines der Drähtchen ist rot und soll Spannung haben, wenn der Schlüssel eingesteckt wird. Dazu haben wir die Batterie kurz angeschlossen und geprüft, welche Klemme am Sicherungskasten beim Einstecken des Schlüssels Saft bekommt. Ein weiters der Käbelchen (braun) geht an Masse, das grüne geht zur LED am modifizierten Glühüberwacher. Das letzte der Käbelchen (schwarz) wird direkt am Starterschalter angeschlossen und zwar an die Klemme, die den Anlasser losheulen lässt. Das sollte der Anschluss mit der Klemmenbezeichnung 50 sein. Fertig. Die Elektrik steht und ist bereit zum ersten Test. Also wird wieder die Batterie angeschlossen, der Schlüssel eingesteckt und nach ca. vier Sekunden beherzt am Starterschalter gezogen. Bingo, es funktioniert. Der Motor springt sofort an, aus dem Auspuff kommt kaum Rauch und alle lächeln glücklich in die Weltgeschichte.

Es kann also an die Endmontage gehen. Die Schalter sind wieder einzubauen und das eine oder andere Kabel muss noch einmal anders verlegt werden, um diverse sich ergebende Knoten im Kabelwust zu entwirren. Das ist auch kein Problem. Die Batterie wird wieder abgeklemmt, die Schalter angeschraubt und die Kabel optisch ansprechend verlegt.

Die abgebrannten Kabel Lange Rede, kurzer Sinn: Beim dritten Test ist fast der ganze Strang der 6 mm2 Kabel unter höllischem Gestank abgeraucht. Es wäre ja auch das erste Mal, dass bei uns irgendwas auf Anhieb funktioniert hätte. Die Nachforschungen haben ergeben, dass jemand in deutscher Gründlichkeit noch einmal die Verschraubung des Starterschalter ohne Gegenhalten nachgezogen hatte. Der Schalter hat sich gedreht und so sind Kontakte des Starterschalters und des Schlüsselschalter aneinander geraten und haben einen Kurzschluss verursacht.
Zum Glück gingen dabei nur der Starterschalter, der Schlüsselschalter und ein paar der dicken Kabel verlustig. Der Schaden hielt sich also in Grenzen, es hätte Schlimmeres passieren können. Das GZS hat nichts abbekommen. Die zwei Schalter und die paar Kabel wurden in einer weiteren Sitzung gewechselt.


Provisorische Werkbank Am späten Donnerstag konnte endgültig Vollzug gemeldet werden, der Mog ist einsatzbereit und das schneller denn zuvor. Ob sich der Einbau der Anlage auch in andere Schlepper empfiehlt, kann ich nicht sagen. Wir warten jetzt erst einmal die Praxistests ab.


Nachtrag: Im Prinzip funktioniert das Schnellglüh-System einwandfrei. Vorraussetzung ist allerdings eine starke Batterie, die wird nämlich beim Nachglühen nach dem Starten des Motors scheinbar heftigst belastet. Dies ist auch der Grund, warum die Schnellglüheinrichtung keine Kurzstrecken mit ständigem Auschalten und Starten des Motors verträgt. Genauso sollte man nicht den Zündschlüssel stecken lassen. Denn dann hält die Schnellglühanlage die Maschine ständig startbereit und saugt die Batterie innerhalb kürzester Zeit leer.