Hanomag R27

Hanomag R27 bei Lieferung Kurz und gut, den Hanomag bekam ich zum Geburtstag geschenkt. Der edle Schenker heißt Joachim Reiter und wohnt in Höchst. Irgendwann im September wurde der Schlepper dann von Höchst nach Kassel kutschiert, den Eltern vorgestellt, die allerdings damals die Hände über dem Kopf zusammenschlugen und mich fragten: 'Was willst du denn mit dem Schrotthaufen anfangen?'. Heute werden zwar immer noch Fragen gestellt, die aber ganz anders lauten: 'Kannst du nicht mal gelegentlich das Grünzeug aus dem Garten wegfahren, wenn du doch schon einen Bulldog hast?' Solche Fragen klingen in meinen Ohren schon viel freundlicher.


Hanomag R27 bei Lieferung Allerdings sah der Schlepper auch bedauernswert aus.
Statt einem ordentlichen Kupplungsmaul war eine von Grobschmieden angebrachte Konstruktion vorhanden, vom Lack, der zudem noch die falsche Farbe hatte, war auch nicht mehr viel zu sehen. Aber diese kosmetischen Mängel lassen sich recht einfach beheben.
Was nicht so einfach zu reparieren ist, sind Anlasser. Dieser wurde nämlich bald als erste Fehlerquelle identifiziert. Aber dank des Boschdienstes und gut 1000,- DM war dieses Manko bald beseitigt.
Dabei fällt mir gerade die Story mit dem Zündschlüssel ein, der fehlte natürlich auch. Aber, ich zitiere Werner Johlitz: 'Den kriegst du bei der Raiffeisen für ein paar Pfennige'. Die paar Pfennige waren ausgewachsene 19,50 DM. Respekt dachte ich mir und lernte fortan in grösseren Dimensionen zu denken. Deswegen haben mich die Tausend Mark für den Anlasser auch nicht gekratzt.
Mit funktionierendem Anlasser und neu erworbenem Schlüssel konnte sich der Hanomag nun selbständig bewegen. Das hätte er auch gemacht, wenn nicht völlig unverhofft einer der Vorderreifen den Geist aufgegeben hätte. Aber was soll´s, zwei neue Vorderreifen sind schnell bestellt und die Gelegenheit die Felgen zu sandstrahlen ist günstig.


R27 ist lackiert Derartig vorbereitet konnte der Hanomag dann verschiedene Fahrten in die Ritter-Werkstatt antreten. Dort wurde die Zugvorrichtung gegen das neu bestellte Original-Kupplungsmaul ausgetauscht. Über den Winter wurden dann sämtliche Bleche und Kotflügel abgeschraubt, gereinigt und für das Lackieren vorbereitet.


Detailansicht Nach den ersten warmen Tagen im Frühjahr konnten dann die Lackierarbeiten begonnen werden. Grundierung und das typische Hanomag-Blau waren innerhalb von zwei Samstagen aufgebracht. Die Optik ist zwar wichtig, aber nicht entscheidend. Deshalb liefen parallel noch verschiedene Reparaturen. Der Kühler und die Einspritzpumpe wurden überholt, die Hinterreifen waren ebenfalls reif für einen Austausch.


Fahrbereit in der Werkstatt Verschiedene Kleinigkeiten, das Drehen von zwei neuen Bolzen für die Vorderachse, Austausch von Glühkerzen und Einspritzdüsen, wurden so nebenbei erledigt. Was sich ganz und gar nicht nebenbei erledigen ließ, war die Elektrik. Da die alten Kabel und Schalter in der Mülltonne landeten, mussten alle Kabel neu gezogen werden und alle Schalter neu installiert werden. Wenn man keine Ahnung von Fahrzeugelektrik hat, sind solche Arbeiten aber schon ein Problem. Aber dank verschiedener Nachtschichten (einmal sind wir morgens um vier Uhr aus der Werkstatt gekrochen) und ungezählten Kasten Frammersbacher Export, der Mithilfe von Wolfram Lingens und Wilfried Ritter, war es dann doch irgendwann soweit. Der Hanomag funkelte wie ein Weihnachtsbaum. Die technische Ganzabnahme in Gelnhausen war weiter kein Problem. Im Gegenteil, die Vorstellung war sogar recht erheiternd. Scheinbar hatten sich alle Oldtimerfreunde des Kreises für diesen Vormittag verabredet.
Dem Prüfer sei an dieser Stelle noch einmal versichert, dass die von ihm bemängelten Bremsen kurze Zeit darauf in Ordnung gebracht wurden. Auch die fehlenden Katzenaugen waren alsbald angebracht.
Mit den nötigen Papieren (dazu zähle ich auch diejenigen, die man normalerweise aus dem Geldbeutel holt) ausgestattet, ging die Zulassung reibungslos vonstatten.
Allerdings ist bei der Durchsicht des Aktenordners 'Hanomag' aufgefallen, dass es nicht einfach war, an die Papiere dranzukommen. Im Ordner befindet sich nämlich ein Packen Papier mit dem Schriftverkehr mit Kraftfahrt-Bundesamt:
Da ich weder Fahrzeugbrief noch Fahrzeugschein hatte, bat ich um die Freigabe des Fahrzeuges Hanomag R27 aus Hannover und so weiter und so fort, mit den vom Typenschild entnommenen Daten. Die Antwort des Kraftfahrt-Bundesamt hatte ich prompt einige Tage später im Briefkasten: 'Da wir davon ausgehen, dass der Schlepper noch renoviert wird, die Bearbeitungszeit 3-5 Tage beträgt und die Freigabe zum Zwecke der Zulassung nur ein Monat gültig ist, bitten wir Sie zum gegebenen Zeitpunkt neu anzufragen.'
Gegen diese Auskunft ist ja weiss Gott nichts einzuwenden. Als ich dann aber zum 'gegebenen Zeitpunkt' noch einmal anfragte, antwortete mir das besagte Amt: der Herstellername sei unbekannt und überhaupt fehle der Herstellerort. Ich bin vor Zorn fast geplatzt. Also schrieb ich noch einmal an das Amt, gab diesmal den Herstellernamen Rheinstahl-Hanomag an und erläuterte in kurzen Stichworten die Geschichte der Firma Hanomag aus Hannover-Linden. Die Bestätigung der Freigabe erhielt ich daraufhin in wenigen Stunden per Fax.

R27 beim VM-Cup
Hersteller Rheinstahl Hanomag
Typ R27
Baujahr 1955
Motor D21, 2.1 Liter Hubraum, 3 Zylinder, 27 PS

Frost und Frust

Defekter Motorblock Im Sommer 2002 hat sich der Hanomag dann komplett aus dem landwirtschaftlichen Leben verabschiedet. Der Grund waren zwei einstmals durch Frost entstandene Risse, die im genannten Sommer erneut zu einem erheblichen Kühlwasserverlust führten. Der Schlepper war nicht mehr zu Arbeitseinsätzen zu gebrauchen, das Wasser rann aus den Rissen, wie man es in den Kühler reinschüttete. Zwei Versuche, den Schaden durch Schweißen zu beheben, scheiterten. Mit jeder Naht gab es neue Risse, da das Gussmaterial die durch die hohen Temperaturen entstandenen Spannungen nicht aushielt. Der Wasserverlust wurde dadurch sogar noch schlimmer.
In dem Moment, da das Kühlwasser aus dem Öleinfüllstutzen sprudelte, war ich soweit, den Schrotthändler zu bestellen.
Aber ein freundlicher Nachbar unseres Antreibers sah das Dilemma, setzte sich an seinen PC und kam 10 Minuten später mit einer Adresse in der Nähe Paderborn wieder. Dort steht ein Motorblock Typ D21, zwar ausgeschlachtet, aber sonst vollkommen ok. Super dachte ich, der setzt sich ans Internet und kann 10 Minuten später einen Erfolg melden. Ich selbst habe schon Stunden am Rechenknecht auf der Suche nach einem Ersatzmotor verbracht, natürlich ohne das Gesuchte zu finden.

Zwei bis drei e-Mails später war der Motorblock gekauft. Besser noch, Andreas Rusche von der Spielwarenfarm Fölsen konnte mir sogar noch eine fast komplette Krafthebeanlage anbieten. Vorratsbehälter, Pumpe und Steuerblock werden demnächst den R27 zu einem vollwertigen Ackerschlepper upgraden, der Ruf des Schaustellersschleppers ist ad acta gelegt.

Fuhrpark von Andreas Rusche Übrigens wird dort in Sachen Traktoren-Renovierungen ebenfalls erstaunliches geleistet. Der Fuhrpark, soweit ich es noch zusammenbringe:



Noch zu restaurieren


Noch zu restaurieren