Der Fendt Farmer 4S der Rindergilde Kasselgrund

Andere Leute kaufen einen Schlepper, tanken, sehen nach, ob genügend Öl in den Behältern ist und brummen los. So geschehen bei der Burkfuth-Gang.
Im Kasselgrund darf das natürlich nicht so einfach über die Bühne gehen. Also der Reihe nach:

Fendt Farmer 4S mit Egge Beim alten Schlepper, einem IHC, hatten sich Teile des Motors (für technisch Interessierte: es waren die Ausgleichsgewichte an der Kurbelwelle) in Wohlgefallen aufgelöst. Der Motor war nicht zu reparieren, ein Ersatzmotor im Prinzip nicht zu bezahlen. Ausserdem waren alle auf einen Schlepper mit Allrad und Frontlader scharf. Dieser wurde dann auch gefunden, ein Fendt Farmer 4S mit fast allem Komfort der sich denken lässt, der geforderte Allrad war ebenso vorhanden wie der Frontlader. Was der Schlepper nicht hatte war ein Verdeck, Vetterling frohlockte, doch dazu später mehr. Das fehlende Verdeck wurde durch den offensichtlich vorhandenen Motorschaden ausgeglichen, der Motor spuckte aus allen Ecken und Kanten Öl. Aber was solls, ein geduldiger Maschinist war ebenso greifbar wie finanzielle Mittel. Der Motor wurde also runderneuert, neue Kolben, Buchsen und was auch immer in solch einen Motor gehört waren alsbald bestellt und auch eingebaut.
Fortan lief die Kiste wie von einem Uhrwerk angetrieben, bis Vetterling aus Langeweile eines Tages am späten Nachmittag in den Kasselgrund fuhr. Dort war gerade Werner mit dem jagdgenossenschaftlichen Mulcher beschäftigt und heuerte den Gelangweilten an. Der hatte bis dato kein Mulchgerät gesehen, geschweige denn eines bedient. Also wurden ein paar Einführungsrunden gedreht und eine Einweisung in die Bedienung des Mulchers gemacht. Vetterling froh einen grösseren Schlepper ohne Verdeck fahren zu dürfen hielt sich strikt an die Anleitung und träumte von einem Schlepper mit etwas mehr als 100 PS bis die Träumerei jäh endete, als er merkte, dass der Bock nur noch nach rechts lenken will. Versagen der hydraulischen Lenkhilfe wurde später diagnostiziert. Ausserdem wurde festgestellt, dass die Vorderachse ebenfalls generalüberholt werden muss. Die Stunden in der Werkstatt sind nicht zu bezahlen, die Ersatzteile waren es noch.
Später wurden noch ganz andere Mängel beseitigt. Dies allerdings von der Raiffeisen. Repariert werden mussten das Zapfwellengetriebe (lautes Rauschen wurde bei der 540er Drehzahl festgestellt) und die Allradmechanik. Wenn jemand der Rindergilde bei eben genannter Firma auftaucht, werden rote Teppiche ausgerollt.

Muster der Kabine Marke Eigenbau Nachdem die Technik soweit in Ordnung war, jammerten die Ganzjahresfahrer über das fehlende Verdeck. Als hätte der Schlepper nicht schon genug Zeit für Reparaturen in Anspruch genommen. Aber wenn der Werner ein Verdeck will, bekommt er es eben. Da scheinbar auf der ganzen Welt kein Verdeck oder ganz und gar eine Kabine aufzutreiben war, muss halt eine Eigenkonstruktion herhalten. Da konnten die Sonnenanbeter noch so laut protestieren, Werner baute ein Muster aus Dachlatten und sagte: 'So solls werden!'.


Fendt Farmer 4S mit Kabine Aus Vierkantrohr, Plexiglas, Schrauben und Schweissdraht wurde gemäss dem Dachlattenmuster eine Kabine Marke Kasselgrund gefertigt. Man kann es glauben oder auch nicht, die Kabine hat sich bewährt und ist rundum gelungen. Allerdings wurden die Freunde der Sonne bei der Geschichte gelinkt, das Versprechen die Kabine abnehmbar zu konstruieren wurde nicht eingehalten.


Jungfernfahrt mit Kabine Zur Entschädigung durfte dann allerdings der grösste Kritiker des Projektes den Schlepper zur ersten Probefahrt bewegen.